samstagmorgen, 5 uhr 49. ich sitze (logischerweise) alleine im bus, deprimiert, übermüdet und unmotiviert. da treffe ich am bahnhof auf die zwei mädels, die mich am abend zuvor noch an ein konzert mitschleppen wollten. sie konnten eine gute party feiern und gingen nun nachhause, um sich gemütlich in ihr bett zu verkriechen. ich hingegen betrat den kühlraum des orangen riesen und hievte karotten und kartoffeln von links nach rechts. etwas später sitze ich dann an der kasse und werde pünktlich bei ladenöffnung von der gierig-sabbernden-seit-10-minuten-vor-der-türe-wartenden meute überrannt. alle haben ihre kleinen extrawünsche, ist ja klar. so weit, so gut. kennen wir ja alles.

nachdem ich dann einige regale, unter anderem übrigens jenes mit den bereits erwähnten energy-booster-ampullen, aufgefüllt hatte und ich wieder an der kasse sass, kam der mann im roten mantel. ho-ho-ho. er blieb. er blieb lange. er blieb zu lange. ho-ho-ho. sterne, lebkuchen, gold, silber, schokolade, pralinen, ho-ho-ho, klaussäcke, spanische nüsschen, mandarinen, clementinen, frohes fest, klaus hier, ho-ho-ho, schmutzli da, frohe weihnachten, xxl-christmas-special, guetzli, zimt, punsch, fickteuchdoch! ho-ho-ho!
im bild unschwer zu erkennen: in der migros gibts spürbar mehr fürs geld. das ständige grinsen, grüssen, erklären, bedanken und nochmals grinsen fordert aber auch nerven. ein beängstigender anblick, bei etwa 20 rauchenden mitarbeitern.
endlich habe ich mittagspause. einmal mag das ja lustig sein, ein zweites mal vielleicht amüsant, aber beim dritten mal ist es nur noch nervig, mit zehn hausfrauen an einem tisch zu sitzen und sich deren kommentare über die auf dem tisch liegende klatsch-presse, schmid-röslis neuestes lebkuchen-rezept, die neuen worte der enkelin, die zahnpasta-gewohnheit des ehemannes oder die lustigen streiche der katze anzuhören.
nachdem ich aber auch dies überlebt habe und beinahe gerne wieder ins konsum-getümmel sitzen gehe, trifft mich dann der schlag. kurz nachdem ich meine kasse geöffnet habe, kommt die heilsarmee mit ihrer scheiss drehorgel daher spaziert. natürlich installieren sie sich ganz nah bei mir. anfangs fand ich es ja eigentlich noch schön, muss ich zugeben. diese dinge mag ich nämlich in der adventszeit. aber als ich realisierte, dass die zwei netten herren in dieser schönen kleidung genau fünf verschiedene songs im repertoire haben und eben diese fünf songs in endlosschlaufe abspielen, wurde ich langsam kribbelig. nachdem ich "rudolf the red nosed reindeer", "stille nacht", "jingle bells", "oh du fröhliche" und "süsser die glocken nie klingen" je etwa vier mal gehört hatte, entschloss ich mich kurzerhand, etwas zu unternehmen. ich brachte den herren also je zwei franken und sagte ihnen, sie sollen sich doch eine pause gönnen und oben einen kaffee trinken gehen. da waren sie auch schon weg. die ruhe war wunderbar. bis "all i want for christmas is you" durch die lautsprecher im laden drang. und leider war auch der gute wille der herren stärker als der meinige und sie konnten bei dieser gutwilligen arbeit nicht länger als zehn minuten pause machen. also standen sie sogleich wieder da, die hand an der verhängnisvollen kurbel und das schöne grinsen aufgesetzt. ich werde also langsam aggressiv.
zudem habe ich auch noch das vergnügen mit der netten dame, die mir am fünften dezember ernsthaft schöne weihnachten wünscht. ich will nicht wissen, wie ich sie angeschaut habe.
als um viertel nach fünf auch noch die alte motz-gritte zwischen den xxl-christmas-special-schoko-rabatt-2für1-goldglitzer-samichlaus-aktionstürmen hervorgekrochen kam und motzte, dass man den salat schon abräume, obwohl madame noch nicht fertig war, glaubte ich zu spinnen. ich blieb aber freundlich und machte das verstörte frauchen darauf aufmerksam, dass der laden auch schon seit einer viertelstunde geschlossen sei und sie doch bitte auch zur kasse kommen möge. "aber siii, si händ doch höt bes am sächsi offe!" - "emm, nei." - "doch!" - "nei." - "händsi aber ä scho gha." - "nei." - "doch." - "nei, mer nie. de coop het emmer bes am sächsi offe, mer aber ned." - "aha. jo denn halt. esch mer aber gsi..." - "nei!" - und so weiter.
nachdem auch alle abgelaufenen grittibänze den weg zu den profitgeilen power-konsumenten gefunden hatten, ich endlich die vertraute zeile "buchung - gehen" auf dem bildschirm des peronalcomputers lese und dann erleichtert zur bushaltestelle schreite, fällt mir ein, dass ich noch geld brauche. die zeit ist knapp, der bus fährt bald. natürlich renne ich genau zu diesem bancomaten, der heute ausser betrieb ist. toll. oh, mein portemonnaie liegt jetzt auch am boden. ach, und so sieht der bus also von hinten aus. oh du fröhliche.
nach diesem tag sah ich nur noch einen einzigen ausweg. feiern bis ich nicht mehr stehen konnte. thieves like us und covernight mit der kiffband (!) und crazy-k and the lifeband. hat mehr oder weniger funktioniert. das nicht-mehr-stehen-können traf einfach erst am morgen danach ein, aber immerhin. es war lässig und ich konnte abschalten. gestern war dafür wieder ein scheisstag, trotz gemütlichem frühstück in der charmanten, behafteten bruchbude mit überraschendem und wohltuendem besuch von der schmutzli-tante. und heute ist sowieso alles scheisse. ich bin krank, juhe. im moment will ich nur in meinem bett liegen und all diese tollen filme schauen, die es zu sehen gibt. und tee trinken. schwarztee mit milch.
übrigens:
ich glaube ja, dass mein wochenende so scheisse war, weil unsere russischlehrerin das karma der ganzen klasse versaut hat. letzten freitag, in der letzten lektion vor dem wochenende, hat sie uns vollen ernstes diesen song vorgespielt. also ich meine, hallo. laszives rumlecken an hotdogs und lollis, popowippen und knappe, grüne höschen zu puslierendem beat. fuck yeah!







